September 18, 2026

Eine Geschichte des Lebens.

Vor kurzem habe ich eine wunderbare Geschichte gelesen. Die so viel über das Leben aussagt, welches wir gerade leben. Deshalb möchte ich sie Euch gerne wiedergeben.

Es war einmal ein Gärtner mit seiner Frau. Der hatte vor seinem Fenster ein leeres Stück Wiese. Er sagte eines Tages zu seiner Frau, lass uns hier einen Baum pflanzen, es ist so leer vor unserem Haus. Die Frau stimmte ihm zu und sagte: „Das ist eine gute Idee.“

Der Gärtner grub ein Loch aus und pflanzte einen Baum. Er hegte und pflegte ihn an jedem Tag. Der Baum war glücklich an so einem wunderbaren Ort zu stehen, war glücklich über all die Liebe und Aufmerksamkeit die er bekam. Er gab sich viel Mühe zu wachsen um dem Gärtner und seiner Frau zu gefallen. Nach einer Weile stellte der Baum fest, das im Süden die Sonne am wärmsten und schönsten am Himmel stand. Er begann seine Arme danach auszustrecken und wuchs mit all seinen Ästen in Richtung Süden. Als der Gärtner das sah, sagte er zu seiner Frau: „Was für ein undankbarer Baum. Er wächst einfach nur in eine Richtung, ist das der Dank, dass ich ihn so gut gepflegt habe?“

Seine Frau gab ihm recht und sagte: „Du hast so recht. Was für ein undankbarer Baum.“

Der Gärtner nahm seine Schere und schnitt alle Äste ab, die nach Süden gewachsen waren. Der Baum weinte und war traurig, verstand nicht warum sie ihm das angetan hatten. Sie waren doch immer so liebevoll zu ihm gewesen. Der Baum dachte: „Gut, dann wachse ich ab jetzt nur noch nach oben. Dann werden sie stolz auf mich sein.“ Der Baum wuchs nun nach oben mit all seiner Kraft.

Als der Gärtner das sah, sagte er zu seiner Frau: „Sieh nur diesen undankbaren Baum. Ich habe ihn immer so gut gepflegt. Jetzt wächst er nur noch nach oben, anstatt gleichmäßig in alle Richtungen.“ Seine Frau sagte: „Da hast Du recht. So ein undankbarer Baum.“

Der Gärtner nahm seine Schere und schnitt alle Äste ab, die in den Himmel wuchsen. Der Baum war sehr traurig und weinte von ganzem Herzen. Er wollte die beiden glücklich machen und zeigen wie gut und stark er nach oben wachsen konnte. Und sie bestraften ihn dafür. Der Baum war unendlich traurig und wuchs ab jetzt nur noch in die Breite. Nicht mehr nach oben, nicht mehr nach Süden. Er wurde immer breiter und breiter.

Als der Gärtner das sah, sagte er zu seiner Frau: „Jetzt sieh dir diesen undankbaren Baum an. Er wächst jetzt nur noch in die Breite. Ist das der Dank das ich ihn gepflanzt habe?“ Seine Frau nickte und sagte: „Das ist wirklich ein undankbarer Baum.“ Der Gärtner nahm wieder die Schere und schnitt alle Äste rundherum ab.

Der Baum war nun am Boden zerstört, voller Trauer und Trostlosigkeit. Alle Lust zu wachsen war ihm vergangen. Eines Tages kam das Enkelkind des Gärtners auf Besuch. Als es den Baum sah sagte es: „Der Baum sieht so unendlich traurig aus.“

Diese Geschichte zeigt auf wunderbare Weise was wir so oft in unserem Leben tun. Ob es die Erziehung unserer Kinder ist, eine Beziehung zum Partner oder Freunden. Wir versuchen die Menschen, die wir „scheinbar“ lieben zu kontrollieren und zu formen. Es ist nur liebenswert, wenn es so ist, wie wir es wollen. Wir haben das Gefühl dafür verloren, die Wesen um uns herum, so sein zu lassen wie sie sind.
Wir fordern ewige Dankbarkeit ein, für Dinge, die wir einmal für andere getan haben. Wir verurteilen sie, weil sie in eine andere Richtung wachsen, die wir nicht verstehen. Das lehnen wir dann ab und nehmen die symbolische Schere in die Hand um es zu bereinigen.
Wir versuchen kaum mehr den anderen zu verstehen, weil er so anders ist. Können nicht mehr nachvollziehen, dass er mit dem was er tut, glücklich ist.
Wir werden durch die Eltern oder die Gesellschaft, in der wir groß werden, so konditioniert wie es scheinbar richtig ist. Jeder hat seine Gründe und Sichtweisen warum er tut was er tut. Warum er anders ist, andere Dinge macht als unsere Vorstellungen zu bedienen. Das sollten wir einfach respektieren, es so lassen wie es ist. Sonst erzeugen wir nur Wut, Verzweiflung und Hass.
Die Frau in der Geschichte hat auch jeden Willen verloren die Dinge mit eigenen Augen zu betrachten. Folgt blind den Gedanken ihres Mannes. Das Kind sieht den Baum das erste Mal und sieht sofort was mit ihm los ist, weil es noch mit Kinderaugen sehen kann. Die Augen die noch nicht vernebelt sind von all den Vorstellungen und Geboten um uns herum. Wir sollten den Vorhang beiseiteschieben und unser Kind die Welt wieder betrachten lassen. Dann fällt es leichter zu sagen: „Ich lasse alles so wie es ist, weil es genauso richtig ist.“

Vielleicht beginnt dein Weg mit einer einfachen Frage.

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